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Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, wurden in Berlin unter der Aufsicht von Joseph Goebbels die Werke zahlreicher deutscher Autoren ins Feuer geworfen. Nur ein einziger dieser Autoren war dabei persönlich anwesend. Es war Erich Kästner.
Erich Kästner ist doppelter Kronzeuge der Schandtat des Bücherverbrennens: In der Nacht des 10. Mai 1933 hat er auf dem von Flammen und Scheinwerfern taghell erleuchteten Berliner Opernplatz mitansehen müssen, wie seine Bücher ins Feuer geworfen wurden, und 1965 musste er wieder erleben, dass in Düsseldorf der “Bund Entschiedener Christen” abermals seine Werke verbrannte, unter Aufsicht der Polizei und begleitet von der Presse.
“Über das Verbrennen von Büchern” versammelt erstmals vier Texte von Erich Kästner, in denen er erzählt, was 1933 und danach wieder geschah, wie und warum es geschah. Dieses Buch ist nicht nur ein erschütterndes Zeugnis, sondern eine Warnung und Mahnung für alle Zeit.
Die Literatur hunderter Autoren wurde in der Nazizeit auch aus Schulbibliotheken entfernt – Grazer Schüler starteten eine bemerkenswerte Aktion: “Rückholprojekt“:
Ziel: “Wir holen uns die Bücher zurück.” In einem mehrwöchigen Projekt stöberten die 16 und 17 Jahre alten Schüler der Ortweinschule in den Archiven und Bibliotheken der Stadt, um exakt herauszufinden, welche Bücher von den Nazis – aber auch schon zuvor von den Sittenwächtern des Ständestaates – aus der Bibliothek ihrer Schule entfernt worden waren. Diese Bücher wollen sie nun der Schule zurückbringen. Stück für Stück. Darunter finden sich Autoren wie Franz Werfel, Jules Verne, Stefan Zweig oder Ödon von Horvath. Alles weitere dazu unter u. a. Link.
Welche Rolle spielte dabei der PEN-Club? Das hat der Schriftsteller Michael Amon in einem STANDARD-Beitrag näher beleuchtet: Die Bücherverbrennungen begannen 1933 in Berlin und fanden ihren Schlusspunkt 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz. “Viele Autoren verhielten sich erbärmlich.” Und auch der deutsche PEN-Club ist nicht dagegen angetreten, sondern hat sich den Nazis unterworfen. Bis heute ist nicht offen Kritik am damaligen Verhalten geübt worden. Amon hofft, dass der neue deutsche PEN-Präsident Josef Haslinger die Vergangenheit neu bewerten wird. Das vollständige Kommentar ist unter u. a. Link zu lesen.
Linktipps:
“Wir holen uns die Bücher zurück”, Standard, 10. Mai 2013
Brandgeruch im Dichter-Club, Standard, 10. Mai 2013
Buchtipp:
Über das Verbrennen von Büchern
von Erich Kästner
56 Seiten; 2013 Atrium-verlag
ISBN 978-3-85535-389-7
10.30 EUR
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